GUT GEBÜGELT
Wenn sich ein begnadeter Hobbyrestaurator eines seit Jahrzehnten herumgereichten Unfallwracks annimmt, dann kommen dabei nicht nur ein perfekter Denzel 1300 und ein Buch drüber raus, sondern diesmal sogar zwei Bücher: Denzels Produktionsbuch ist wieder aufgetaucht!
Von Martin Strubreiter Fotos Andreas Riedmann
Als hätte dieses Exemplar des Denzel 1300, der 56. von jetzt wieder verbrieften 65 Denzel Sportwagen, von seinem Jahrzehnte währenden Dahingammeln als Unfallwrack geahnt: So intensiv waren seine ersten Jahre, Reise um die halbe Welt inklusive.
Diese ersten Jahre fanden nämlich auf zwei Kontinenten statt, zwischen 1957 und 1962 musste ein ganzes Autoleben in aller Dramatik von widmungsgemäßen Privatrennen und verkaufsförderndem Showcar passen, denn im Februar 1962 war Schluss, zumindest für gut 60 Jahre: Damals prallte der Ungefähr-Drittbesitzer, Filmproduzent Gerhard Heller, beim routinierten Versuch, sein Haus am Semmering in Bestzeit zu erreichen, mit dem Denzel gegen einen Baum. Heller wurde gnädig aus dem Auto herausgeschleudert und überlebte moderat verletzt, das Auto war zum Totalschaden onduliert, und der Unfallpilot dürfte ziemlich geläutert aus der Katastrophe hervorgegangen sein: Hernach kaufte er einen Heckflossen-Mercedes, eine eher solide als sportlich-luftige Wahl.
Der Unfall-Denzel, in seinem kurzen Leben bis in die USA gereist, sollte fast 60 Jahre seiner Rettung entgegendämmern.
Als Wolfgang Denzel in den späteren 40er Jahren an die Fertigung eines eigenen Sportwagens dachte, operierte er auf Augenhöhe mit Porsche: Wie dort wurde in der Wiener Gumpendorfer Straße Großserientechnik zugespitzt und mit vielsagenden Karosserien verkleidet. Basis im weiteren Sinn war natürlich der VW Käfer, beziehungsweise das, was der Zweite Weltkrieg aus ihm gemacht hatte: Rettbare Kübelwagen-Fahrgestelle waren durchaus aufzutreiben, mit Improvisationsgeschick reiften neue Karosserien drauf. Jene der ersten sechs Denzel kamen vom Boots- und Flugzeugbauer Walter Kittelberger aus Bregenz, sie bestanden aus Textilfasern und Kunstharz, waren etwas labil und mussten daher ohne Türen auskommen. Ohne Dach auch, damit wurde das Einsteigen wieder leichter.
Motorisch wärmte Denzel erst auf – der serienmäßige Käfermotor bekam einfach einen Doppelvergaser, das reichte anfangs sogar dem ambitionierten Motorsportler, also Wolfgang Denzel selbst. Der hatte schon in Vorkriegstagen seine Rennkarriere gepflegt, als BMW-Importeur griff er anfangs zu Motorrädern der Marke oder zum BMW 328.
Durch die dürre Nachkriegszeit rettete sich Denzel mit dem Zusammenflicken kriegsversehrter Autos, meistens kamen Lieferwagen-Karosserien auf die Kübelwagen-Chassis. Ein paar der Fahrgestelle aber empfahlen sich für private Flausen, und mit Hubert Stroinigg hatte Denzel einen tollen Techniker und kundigen Rallye-Beifahrer bereits im Haus.
Ab der ÖAMTC Wintertourenfahrt 1949 schrieb sich der Volkswagen WD Equipment gut lesbar in die österreichische Motorsportgeschichte ein, mit den sportlichen Erfahrungen verfeinerte Denzel die nächsten Exemplare. Zum Beispiel mit Stahlblechkarosserien, von Denzels neuem Spengler, Rudolf Ramisch, ab 1950 aus kleinen Blechsegmenten kunstvoll zusammengeschweißt. Bald schweißte Ramisch auch die Chassis, damit näherte sich der Denzel schon der 40 cm kürzeren, deutlich wendigeren Serienversion.
Die Motoren hingegen entfernten sich immer mehr vom Käfer – bald kamen nur mehr Kurbelgehäuse und Schmierkreislauf von VW, der Rest war Feinkost aus der Gumpendorfer Straße, beispielsweise Pleuel aus Alu, die SEHR vorsichtig eingefahren werden wollten. Bei den etwas weniger hochgezüchteten Tuningkits griffen auch die Käferfahrer gerne zu, während der Denzel Supersport 1954 dank Alukarosserie auf 580 kg verschlankte. In wenigen Exemplaren entstanden auch schmälere Versionen, Verzicht auf den dritten Sitzplatz machte sie abermals wendiger.
Die stärksten Motoren schöpften 85 PS aus 1,5 Litern, aber Ende der 50er Jahre begann der Denzel trotz emsiger Importeure in den USA, in Portugal, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz langsam aus der Zeit zu fallen. Konkurrent Porsche war zu industrieller Serienproduktion und feinem Legendenstatus davongefahren, dagegen ließ sich in der Gumpendorfer Straße kaum noch von Hand andengeln. Pläne für einen neuen Roadster mit Heck-Mittelmotor reiften bereits, dann widmete sich Wolfgang Denzel der Rettung BMWs, indem er mit dem BMW 700 ein zeitgemäßes Modell zwischen die knutschkugelige Isetta und den unerschwinglichen Barockengel 502 hineinkonstruierte. Das aber ist eine andere Geschichte.
Damit die Produktionszahlen früher auf dem für Rennen nötigen Level waren, setzte Denzel ab Mitte der Fünfziger einfach einen Einser davor, ein kleiner Trick. DK 156 war also der 56. Denzel. Nach seiner Fertigstellung Ende 1957 überstellte Hubert Stroinigg den hellbeigen Denzel Serien Super auf eigener Achse zum französischen Importeur Dimitri Mollof. Der brauchte dringend ein Auto, das beim Pariser Salon 1958 glänzen möge. Kurz vor dem Salon erlitt der Glanz ein paar Kratzer insofern, als der Denzel mit Motorschaden ausrollte, die Korrespondenz mit dem Hersteller in Wien erreichte hitziges Niveau, obendrein hatte Mollof das Auto noch nicht einmal bezahlt. Er schickte aber die Kurbelwelle nach Wien und pochte auf Kulanz, Denzel begehrte den ganzen Motor und ließ sich dann mit der Reparatur ausufernd Zeit. Also stand der Denzel ebenso motorlos wie unbezahlt beim Salon, danach kam er nach Wien retour. Denzel parkte ihn im firmeneigenen Schauraum Am Hof, belichtete einige Presse- und Prospektfotos damit (damals Schönfotos genannt) und ließ ihn 1959 erstmals zum Verkehr zu. So schien in den Papieren 1959 als offizielles Baujahr auf, was dem US-Importeur ziemlich egal war, denn der begehrte einen Denzel für einen schnellen Kunden.
So gelangte DK 156 zu Fred Rush in Dayton, Pennsylvania. Rush war ein wunderbarer Name für einen Rennfahrer, auch sein Spitznahme Fast Freddie ließ im Kopfkino einen stimmigen Film anlaufen: Beruflich war er zwar Busfahrer einer High School, Beifahrer im Denzel aber gaben zu Protokoll, dass sie gerne geschrien hätten, vor Angst jedoch keinen Ton herausbrachten. Hässliche Töne drangen dafür nach zwei Jahren aus dem Getriebe, die Karosserie war dezent verdellt, schließlich kollabierte der Motor. Porsche war in den USA inzwischen längst ein Begriff, da wollte niemand mehr einen Kleinserien-Exoten aus Österreich.
Außer Wolfgang Denzel selbst. Die Produktion in Wien war bereits beendet, aber Filmemacher Gerhard Heller suchte ein Exemplar. Im Mai 1961 war DK 156 retour in Wien und im Jänner 1962 wieder gesundet.
Gerhard Heller, als Werbefilmer damals satt im Geschäft, fuhr damit gerne schnell zu seinem Haus am Semmering, nach ein paar Wochen zu schnell. Der Denzel soll James Deans Porsche-Unfallwrack recht ähnlich gesehen haben, die noch halbwegs intakten Teile gingen gemeinsam mit einem neuen Chassis durch etliche Sammlerhände. Immer wieder fiel er dabei Alexander Fritz auf, schon mehrmals mit irren Restaurierungen von Einzelstücken auf VW-Basis in der autorevue zu Gast. Über mehrere Jahrzehnte verpasste er das Wrack knapp – oft klafften die Preisvorstellungen unüberbrückbar weit auseinander, manchmal war er schlicht zu spät dran, oft schrieb er den Traum gedanklich ab.
Im Jänner 2021 klappte es mit ein paar Verrenkungen doch. Mit fröhlicher Routine und freundlich-hartnäckiger Recherche stemmte Alexander Fritz den Irrsinn der Restaurierung, Rekonstruktion der Karosserie mit Hilfe eines begeisterten Karosseriebauers inklusive: Christian Bauer wollte eigentlich in Pension gehen, aber das Projekt reizte ihn. Wie bei Alexander Fritz üblich, reifte nebenbei ein Buch über die Denzel-Geschichte, Restaurierungstagebuch inklusive.
Und natürlich vertiefte er sich in die Recherche, immerhin klafften durch das verschollene Produktionsbuch schmerzliche Lücken in der Denzel-Historie, Produktionszahl inklusive.
So erfuhr Fritz von Gerhard Hertenberger, Anfang der 60er Feinblechner-Lehrling und Prospektgestalter bei Denzel, später über lange Jahre Motorjournalist. Langsam wurde der Kontakt zu Hertenbergers Witwe und den Kindern herzlich, schließlich empfing die Familie den Hobby-Restaurierer. Kaffee und Kekse waren köstlich, verblassten aber neben den Denzel-Unterlagen, die Gerhard Hertenberger in den 60ern aus dem Mistkübel der Firma gerettet hatte. Außen war das Schreibheft unscheinbar, drinnen eine Sensation: Seither ist Denzels Produktionsbuch wieder da, und man weiß jetzt: 65 oder ein paar Sportwagen mehr oder weniger waren es, die allerletzten Unschärfen vermag auch der Fund nicht auszuräumen. Überlebt haben rund 30. Seit Kurzem sind’s rund 31.
Artikel erschienen in der autorevue-Ausgabe Juni 2025
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Über DENZEL
Die DENZEL Gruppe ist einer der führenden Automobil-Importeure und Mehrmarkenhändler sowie Finanzdienstleister für Händler und Konsumenten in Österreich. Mit einem Umsatz von 1,165 Milliarden Euro, rd. 1.400 Mitarbeitern und rd. 40.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr zählt die DENZEL Gruppe zu den 150 bedeutendsten Unternehmen des Landes. Seit der Gründung durch den international anerkannten und erfolgreichen Automobilpionier Wolfgang Denzel im Jahr 1934 ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen und genießt heute einen erstklassigen Ruf als erfahrener, sicherer und kompetenter Partner für Industrie, Vertragshändler und Kunden.
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